Blasenentzündung bei der Katze

Feline lower urinary tract disease (FLUTD)
(Krankheiten des unteren Harntraktes der Katze)
Im Speziellen: FELINE IDIOPATHISCHE ZYSTITIS (FIZ) (primäre Blasenentzündung der Katze)
Blasenentzündungen kommen bei der Katze recht häufig vor. Die Tiere zeigen erschwerten, schmerzhaften Harnabsatz, vermehrten Harnabsatz in kleinen Mengen, Blut im Urin, Harnabsatz irgendwo in der Wohnung. Am häufigsten führen Blasengriess, Blasensteine, bakterielle Harnwegsinfektionen und Verhaltensstörungen zu diesen Symptomen.
Definition
Wie der Name "idiopathisch" sagt, ist die genaue Ursache dieser Blasenentzündung nicht bekannt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Katzen mit dieser Erkrankung stressanfälliger sind als gesunde Katzen. Nach Belastung können im Blut bei diesen Katzen Stresshormone wie Noradrenalin in höherer Konzentration über längere Zeit nachgewiesen werden, als bei gesunden Katzen. Werden die Nebennieren durch ein synthetisches Hypophysenhormon (ACTH) stimuliert, reagieren Katzen mit FIZ mit einer geringeren Kortisolausschüttung als gesunde Katzen. Bei der Entstehung einer FIZ sind komplexe Interaktionen zwischen verschiedenen Organsystemen (Nervensystem, endokrine Organe, Herzkreislaufsystem) beteiligt. Die feline idiopathische Zystitis ist nicht nur eine einfache Blasenentzündung!

Symptome und Diagnostik

Häufig sind junge oder Katzen mittleren Alters betroffen. Die Symptome wie vermehrter, erschwerter, schmerzhafter Harnabsatz, oft in kleinen Mengen, ev. mit Blutbeimischungen treten in unterschiedlichen Intervallen auf. Die Symptome können von kurzer Dauer sein oder über längere Zeit beobachtet werden. Sie können auch ohne Therapie wieder verschwinden, Rezidive sind aber häufig. Deshalb sollten bei allen Katzen mit rezidivierenden Blasenproblemen genaue diagnostische Abklärungen durchgeführt werden. Eine Möglichkeit sind Röntgenaufnahmen, doch werden immer häufiger Ultraschalluntersuchungen bevorzugt. Mit Ultraschall können Blasensteine, Harngriess und die Blasenwand dargestellt werden. Durch eine Blasenpunktion kann Harn steril entnommen werden, was für eine bakteriologische Untersuchung sehr wichtig ist. Wird keine Ursache wie z.Bsp. Blasensteine, Harngriess oder bakterielle Infektionen nachgewiesen,wird durch Ausschluss der oben erwähnten Krankheiten die Diagnose feline idiopathische Zystitis gestellt.

Komplikationen

Auch bei einer idiopathischen Zystitis besteht beim Kater die Gefahr eines Harnröhrenverschlusses durch Entzündungsprodukte wie Fibrin. Die Katzen gehen immer wieder aufs Katzenkistli, können aber keinen Harn absetzen. Häufig meinen die Besitzer die Katze sei verstopft. Die Kater lecken sich auch vermehrt am Penis. Eine Katze, die keinen Harn absetzen kann, ist immer ein Notfall und muss unbedingt in eine Tierarztpraxis gebracht werden.

Behandlung

Die Ziele der Behandlung sind die Symptome zu lindern und die symptomfreien Intervalle zu verlängern. In den meisten Fällen ist eine vollständige Heilung einer FIZ nicht möglich! In der akuten Phase sind schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente angezeigt. Immer sollten aber auch die Umgebungsverhältnisse abgeklärt werden! Stresssituationen müssen erkannt und wenn immer möglich vermieden werden!
Folgende Fragen sollten abgeklärt werden:

  • Hat die Katze Auslauf oder ist es eine Wohnungskatze?
  • Lebt sie alleine oder in einem Mehrkatzenhaushalt?
  • Hat es genügend Katzenkistchen ? Eine Katze braucht mindestens 2 Kistchen! In Mehrkatzenhaushalten soll die Anzahl Kistchen Anzahl Katzen + 1 betragen!
  • Kistchen müssen gut platziert sein: keine Sackgasse (Ausstieg auf mehr als einer Seite), guter Überblick, nicht zu abgelegen, dürfen nicht neben Futter-oder Schlafplatz stehen.
  • Kistchen sollten gross, stabil und nicht gedeckt sein, vielleicht wird auch ein grosses Plastikbecken sehr geschätzt.
  • Die Streutiefe sollte der Länge eines Mittelfingers entsprechen, feine Einstreu wird häufig bevorzugt. Wenn die Katze aber eine Einstreumarke gut annimmt, nicht wechseln.
  • Kistchen müssen sauber sein, d.h. mehrmals täglich putzen!
  • Wie ist der Mehrkatzenhaushalt strukturiert? Dies ist nicht immer so leicht zu  erkennen, ev. muss ein/eine Verhaltensmediziner/-in beigezogen werden.
  • Wie wird das Wasser angeboten? Wasser sollte an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen, aber genügend grossflächigen Gefässen angeboten werden. Wasser regelmässig wechseln!
  • Trinkt die Katze genug? Wie für den Menschen ist es auch für die Katze wichtig, dass sie genügend Wasser aufnimmt. Ganz   besonders, wenn sie an Blasenproblemen leidet.

Wie kann die Wasseraufnahme gesteigert werden? Wenn immer möglich Nassfutter geben (grössere Flüssigkeitsaufnahme) oder dem Futter Wasser beigeben, zuerst nur in kleinen Mengen, dann langsam steigern bis zu der Menge, die die Katze gerade noch akzeptiert. Eine andere Möglichkeit wäre wenig Milch/Rahm oder aromatisierte Eiswürfel dem Trinkwasser beizugeben, um das Wasser schmackhafter zu machen. Dazu nehmen sie eine kleine Menge Futter, Pouletfleisch oder Fisch und kochen diese ca. 10 Minuten in etwas Wasser. Anschliessend die Flüssigkeit etwas einkochen lassen, um ein Konzentrat zu erhalten. Die Flüssigkeit absieben und in eine Eiswürfelform giessen und gefrieren. Bei gestressten, ängstlichen Katzen können auch Pheromone wie Feliway, Zylkène zu einer Besserung führen. Bleiben oben genannten Massnahmen einer Behandlung erfolglos, bleibt noch die Möglichkeit, mit psychoaktiven Medikamenten, wie Antidepressiva, eine Verlängerung der symptomfreien Intervalle zu erreichen.

Prognose

Leider sind Rezidive nicht auszuschliessen. Auch sind Haltungsprobleme nicht immer vollständig zu lösen und Stresssituationen können nicht immer vermieden werden. 

Vorbeugung

Umgebungsverhältnisse katzengerecht gestalten, Stresssituationen vermeiden! Trinkwassermenge hoch halten. Falls möglich v.a. Feuchtfutter verabreichen.